Ein zweieinhalb Minuten dauernder Videoclip enthält über 4000
einzelne Bilder, eine Zahl, die ein Maler in seinem Leben nur mit Mühe übertreffen
könnte. Die technische Produktion von Bildern scheint erdrückend. Angesichts der
explosiven Entwicklung elektronischer Bildverarbeitung wird für den Kölner Künstler
R.J.Kirsch die Untersuchung des Verhältnis von Malerei und neuen Medien zu einer
künstlerischen Überlebensstrategie.
„Alle technischen Bilder sind Schattenbilder“ lautet hierbei sein Befund, der in der
Videoarbeit „Phantom“ auf den Punkt gebracht wird. Ungefähr kürbisgroße Objektskulpturen,
bestehend aus Technikschrott, erzeugen durch Beleuchtung mit dreifarbigem Licht
Schatten-Filmsequenzen, wie sie 1999 als Lightboxes oder Filminstallation in seiner
Einzelausstellung “PHANTOM“ in der Städtischen Galerie Albstadt
präsentiert werden.
Hierbei interessiert Kirsch vor allem die Auseinandersetzung mit dem medial erzeugten
Bild als Symptom technischen Fortschritts überhaupt. Erscheinen und Verschwinden sind
hierbei die Eckmomente einer fortlaufenden Entwicklung, die die gesellschaftlichen
Gestaltungs-und Austauschprozesse zunehmend in eine Unsichtbarkeit verlegt.
Diese „Verdunkelung“ bringt jene Phantome hervor, deren Darstellung das eigentliche Anliegen des Malers ist.
Der Zufall, Schatten, Echos, das Flüchtige, Flüsternde, Unstete und Sporadische sind jene Phänomene,
denen Kirsch in seiner Arbeit auf der Spur ist. Das hierbei immer wieder apparative Bildtechniken oder bildgebende Verfahren sowohl Gegenstand
als auch Hilfsmittel in seinen Untersuchungen sind, macht die Doppelnatur seines Ansatzes aus, indem traditionelle
und Neue Medien ständig ins Verhältnis gesetzt werden.
In „Rhythmus der Statistik“ zum Beispiel,
eine Serie mit Unfallszenen von Flugzeugen, Schiffen oder Eisenbahnen, an der Kirsch seit 2002
arbeitet, erfasst die Inszenierung technischen Scheiterns den flüchtigen, auf der Flucht gewesenen Gegenstand.
In der Verformung durch die, gegen die Vehikel selbst gerichteten Bewegungsenergien werden die Kräfte sichtbar,
deren riskante Beherrschung schon längst zu einem Glücksspiel geworden ist.